John unser langjähriger Scout und Fahrer für Save-the-Grevyzebra, ist der Erfolgsgarant für besondere Tiersichtungen. Seinen Augen entgeht nichts. Die Spitze eines Raubtierohres im hohen Gras. Bewegungen im Busch. Die Laute der Tiere. John kann sie deuten. Ohne ihn hätten wir viele Tiere nicht bemerkt, besonders Leoparden und Löwen. John war diverse Jahre in einem Nashornprojekt in der Mara und kennt sich mit den Verhaltensweisen des Wildes bestens aus.
Ist er nicht traumhaft schön - dieser ca. sechsjährige Leopardenmann? Er scheint es zu wissen. Wie ein Hollywood-Star präsentiert er sich auf einem riesigen umgestürzten Baum. Doch bis es soweit war.... fangen wir also von vorn an.
Unser Quartier ist die Samburu Serena Lodge, die auf der südlichen Flußseite in der Buffalo Springs National Reserve liegt
(insofern ist der Name irreführend). Kurz vor der Lodge hören wir vom Gelände der Lodge die lauten Stimmen von Touris. Soweit wir heraushören können, überquert ein Leopard den Fluß. Wir fahren zur Brücke zurück und sehen ihn gerade noch auf der Samuru Flußseite im Unterholz verschwinden. Der Fluß ist zwar breit aber flach. Ungefähr nur 30 bis 60 cm tief.
Wir suchen intensiv nach ihm. Die Sonne ist bereist untergegangen. Das Licht wird immer schwacher. Dann plötzlich ist er direkt vor uns auf der Piste. Verlässt diese nach einigen Metern und verschwindet im dichten Uferwald. Ihn jetzt zu finden ist schwierig. Doch das Glück ist mit uns.
Es ist schwierig ihn nicht zu verlieren. Wir müssen Hindernissen ausweichen und große Bögen fahren. Da er die Richtung nicht wechselt, stossen wir immer wieder auf ihn. Wir stehen im Auto und können John (unseren Scout/Fahrer) in dem Durcheinander von umgestürzten Bäumen und Büschen dirigieren. Zum Glück bewegt er sich ohne Hast und bleibt häufiger stehen, als wolle der sich vergewissern, ob wir noch da sind. Doch dann gibt es für uns kein Weiterkommen mehr. Ein riesiger umgestürzter Baum und der dichte Busch sind das Ende.
Lieber Gott,, lass ihn auf den umgefallenen Baum klettern, sonst haben wir ihn verloren. Ein Weiterkommen ist unmöglich.
Und dann, unser Adrenalinspiegel steht auf Sturmflut, springt er auf den Baum.
Wir haben nur noch zehn bis fünfzehn Minuten, dann reicht das Licht nicht mehr. Den ISO-Wert der Kamera haben wir auf 800 erhöht und die Auflösung auf 1600x1200 reduziert. Wir müssen zwischen den Baum und den großen Ast (rechts im Foto). Dann haben wir ihn auf Augenhöhe. Ein gewagtes Unternehmen. Tief in uns schlummert noch etwas vom urzeitlichen Jäger. In solchen Momenten siegt der Jäger, nicht töten - im Bild festhalten.
Dass er sich nicht gestört, bedrängt fühlt - beweisen diese Bilder. Wir schieben uns immer dichter an ihn heran. Keinerlei Anzeichen von Unruhe. Er fühlt sich so wohl, dass er sogar ein kleines Schläfchen macht.
Er richtet sich auf. Nicht weglaufen.
Wir trauen unseren Augen und Ohren nicht. Das ist die katzentypische Schmusehaltung. Dann deutlich vernehmbar - kaum zu glauben, er schnurrt. Nicht wie unsere Hauskatzen, mehr ein wohliges grollen. Nun gibt es kein halten mehr. Er will schmusen.
Natürlich unternehmen wir nicht den geringsten Versuch. Es wäre auch der Letzte. Er findet das zum Gähnen langweilig. Fast können wir ihn mit dem ausgestreckten Arm berühren. Natürlich stellt man sich hinterher die Frage: Was wäre wenn - wenn er in das Auto gesprungen wäre? John hat auf diese Waswärewennfragen immer eine rationale, pragmatische Anwort: Wir müssten zu Fuß zur Lodge gehen. Na, ja?
Teilnehmer: John, Kerstin und Sigi
Safaris 2010